In der Goethestraße in München ist in einem partizipativen Prozess ein Wandgemälde mit dem Namen „Grüsse von Gleis 11“ entstanden. Die Künstlerin Melike Kerpel hat sich bei der Auswahl ihres Motives an der migrantischen Geschichte orientiert, die das Bahnhofsviertel Münchens bis heute prägt. Das zentrale Element des Wandbildes ist die Künstlerin Ceren Can, die die Saz spielt (anatolische Langhalslaute). Melike Kerpel ist über eine Online-Recherche auf sie aufmerksam geworden. Tatsächlich repräsentiert die Künstlerin auf die passendste Weise eine Musikkultur, die sich seit den Siebziger Jahren im Zuge der Arbeitsmigration vor allem in Deutschland entwickelt hat. Ceren Can ließ es sich auch tatsächlich nicht nehmen, bei der Eröffnung in München anwesend zu sein und ein paar türkische Volkslieder zu spielen.
Ein Musiktape mit der Aufschrift: „Grüße vom Gleis 11“ steht symbolisch sowohl für die Ankunft der ersten „Gastarbeiter*innen“ am Gleis 11 am Münchner Haupfbahnhof, sowohl für die Geschichte der enorm erfolgreichen türkischen Musikproduktionen in Deutschland und der daraus entstandenen Tape-Industrie. Die Goethestrasse spielte dabei eine wesentliche Rolle, da hier das Musik-Label „Minareci“ beheimatet war, das tausende dieser Musiktapes in München produziert und sowohl in Deutschland, als auch in der Türkei vertrieben hat. Ein anderes besonders eindrucksvolles Beispiel der Nutzung von Tapes war die Verwendung von Kassettenaufnahmen. Da Telefonate teuer waren, nahmen Familien Nachrichten auf, schickten sie über Landesgrenzen hinweg und antworteten auf dieselbe Weise. So entstand eine besondere Form der Kommunikation, die auf Stimme, Entfernung und Zeit beruhte.
Das Kompetenzteam Vielheit hatte bei dem Projekt beratende Funktion. Wir freuen uns über das wunderbare Resultat.








Künstlerin: Melike Kerpel
Realisiert von:
IRiS Špringer und Nadina Memagić/ balkaNet e.V. – Partizipation Matt Wiegele – Projektmanagement
In Kooperation mit:
Kulturzentrum Careteria
Theatergemeinde München e.V.