











Das Kompetenzteam Vielheit hat sich die Muße gegönnt und ist mit einer Ein-Mensch-Delegation zu diesem interessanten Kongress nach Berlin gereist. Dieser fand am 25. und 26. März in der Universität der Künste statt. Beeindruckend war ein großer Banner über dem Eingang zum Haus, der wohl viel über diese Einrichtung aussagt: „Unser Programm ist diskriminierend. Lasst uns das ändern!“.
Bei der Ansage öffneten sich sogleich alle Shakren und die Motivation stieg uns zu Kopfe. Dabei haben wir jedoch wieder einmal die Bestätigung für unsere These erfahren, dass das Thema Teilhabe und Kulturelle Vielfalt überall große Bedürfnisse sind. Unsere Gesellschaft verfügt aber noch lange nicht über den geeigneten Werkzeugkasten, um diesen zu Begegnen. Wie sollen wir die Teilhabe und die Öffnung großer Institutionen und Bildungseinrichtungen öffnen? Vor allem in dem Bereich der Musik innerhalb der Hochkultur liegt die Unsicherheit offen sichtbar vor uns.
Die Fragen sind überall die selben: wo ist die Vielfalt, über die wir hier im weiten Kreis reden? Warum ist sie nicht anwesend? Warum brauchen wir immer wieder noch eine Denkzwischenstufe, obwohl wir eigentlich drauflos einladen könnten. Danke übrigens an André Uelner, der uns gesehen und eingeladen hat. André hat lange Zeit als Diversitätsbeauftragter an der Staatsphilharmonie Rheinland Pfalz gearbeitet und dort wirklich gute Arbeit geleistet. Aber wie bei allen guten Leuten, lief bei ihm eben auch die Frist der Planstelle ab.
Das war übrigens auch eines der dringlichsten Themen: warum werden gerade die Förderungen der am effektivsten funktionierenden Kulturprojekte gekürzt oder gar komplett abgestellt? Oft geschieht dies auch ohne eine wirklich klare Erklärung. Der Verdacht liegt nahe, dass die Kulturpolitik einem offenen Rechtsruck Tribut zollt. Innerhalb der akuten politischen Entwicklung sind Projekte, die die vielfältige Teilhabe in der Gesellschaft fördern, nicht unbedingt die attraktivsten, leider.
André Uelner weiß durch seine Recherchen schon seit langem zu berichten, dass die musikalische Hochkultur in Deutschland ein massives Nachwuchsproblem hat und sich schleunigst von seiner elitären Haltung verabschieden und in der breite der Gesellschaft aquirieren muss. Das musikalische Talent steht ja bekanntlich nicht in Zusammenhang mit der kulturellen und sonstigen vielfältigen und diversen Lebenserfahrung. Also befreit euch von den Ghettos in euren Köpfen!
Hier das Motto der Veranstaltung:
„Musik ist in nahezu allen Lebensbereichen präsent – als gemeinsames Erlebnis, Ausdrucksform und verbindende Kraft. Über ein Fünftel der Menschen in Deutschland musiziert aktiv und zeigt damit, dass Musik ein zentraler Bestandteil des gesellschaftlichen Lebens ist und zusammen mit allen beiteiligten Institutionen und der Musikwirtschaft ein eigenes Ökosystem bildet. Grundlage dafür bildet die Musikalische Bildung. Sie vermittelt weit mehr als künstlerische Fähigkeiten: Musikalische Bildung stärkt Demokratiebewusstsein, Diversität, transkulturelles Verständnis und soziale Bindungen. Sie fördert Ausdrucks- und Wahrnehmungsfähigkeit, Kreativität und Teilhabe – auch im digitalen Raum.
Mit dem Kongress setzte sich der Deutsche Musikrat dafür ein, das Bewusstsein für die Musikalische Bildung im Ökosystem Musik zu stärken und dessen Potenziale für Zusammenhalt, Inklusion, Integration, Demokratie, Transformation und persönliche Entfaltung zu würdigen“.
Auf der Bühne saß bei einer Podiumsdiskussion zumindest der Technopionier Dr. Motte, der dafür warb, die elitären, starren Grenzen des Bildungsangebotes in Musikhochschulen mit Techno aufzubrechen. Leider waren die meisten der Teilnehmenden und der Vortragenden und Diskutant*innen Angehörige der Mehrheitsgesellschaft.
Hier der Link zur Veranstaltung:
https://www.musikrat.de/musikpolitik/musikalische-bildung/kongress-oekosystem-musik
Hier der Link zu einer Studie, die André Uelner angestrebt hat mit dem Titel: „Wie divers sind Orchester?“:
https://www.staatsphilharmonie.de/de/wie-divers-sind-orchester
André Uelner studierte klassischen Gesang und arbeitete ab 1994 als Sänger, Schauspieler und Chorleiter. Diverse Stadt- und Staatstheater, Festspiel- und Tourneeerfahrung. Seit 2000 erste Berührungspunkte mit systemischer Arbeit.
Ab 2007 ließ er sich zum Theaterpädagogen ausbilden und begann, (Musik-)Theaterprojekte jeglicher Größenordnung und inhaltlicher Aufstellung mit Menschen diversen Hintergrundes für Theater, Kulturinstitutionen, Kommunen und Träger zu begleiten. Liefen die Tätigkeitsfelder Gesang und (Musik-)Theaterpädagogik anfangs noch parallel, verschmolzen sie zunehmend zu einem prozessorientierten musik-theaterpädagogischen Handeln. Nach einer Station als Leiter des Education Programms am Festspielhaus Baden-Baden 2015/16 war er 2016-19 stellvertretender Schuleiter und Dozent an der Theaterpädagogischen Akademie der Theaterwerkstatt Heidelberg. Von 2019-2025 war er Agent für Diversitätsentwicklung an der Deutschen Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz in Ludwigshafen am Rhein, wo seine Arbeit mehrfach ausgezeichnet wurde, u.a. mit dem Preis ZukunftsGut für Kulturvermittung.
2019-2025 Lehrauftrag für Ästhetische Praxis an der Hochschule für Wirtschaft und Gesellschaft Ludwigshafen.
Seit Juni 2025 ist er Bildungsreferent an der Bundesakademie für musikalische Jugendbildung Trossingen.